Das Thema ‚künstlerische Forschung‘ ist zweifellos dazu geeignet, Kontroversen zu provozieren. Anderswo sind artistic research-Programme bereits seit langem als sogenannter third cycle in die musikalisch-künstlerische Ausbildung integriert; in Deutschland befinden sie sich vielerorts noch in der Konzeptions-, Entstehungs- oder Erprobungsphase. In einem öffentlichen Positionspapier mahnte die Gesellschaft für Musikforschung 2014 dazu, das Profil entsprechender Studiengänge und der damit verbundenen Abschlüsse mit aller gebotenen Sorgfalt zu entwerfen. Keinesfalls dürfe ‚künstlerische Forschung‘ zu einer Promotion light gerinnen: Ein Titel wie der Dr. mus.müsse strukturell deutlich vom Doktorat geisteswissenschaftlicher Provenienz differenziert sein, dabei aber selbstverständlich als Gütesiegel ernstzunehmender wissenschaftlicher Leistungen vergeben werden. Der folgende Beitrag wirft zunächst einen systemtheoretisch informierten Blick auf das Konstrukt ‚künstlerische Forschung‘; anschließend macht er den Vorschlag, das derzeit expandierende Feld musikalischer Interpretationsforschung als Projektlandschaft für Forschungsvorhaben auf der Systemgrenze zwischen Kunst und Wissenschaft zu nutzen.